Volkshilfe Steiermark
News
zurück

Studie der Volkshilfe: Armut macht krank

17.11.2010

Download


Die Volkshilfe präsentierte eine Studie zum Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit, die mit Unterstützung des Fonds Gesundes Österreichs erstellt wurde.

Das europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung war Anlass für die Volkshilfe Österreich,  den Zusammenhang von Armut und Krankheit genauer zu untersuchen. Die Ergebnisse wurden von BM Alois Stöger, dem Arzt Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn, der Leiterin der Sozialarbeit im AKH Linz Dr. DGKS Anna Maria Dieplinger und vom Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich Mag. (FH) Erich Fenninger  präsentiert.
 
Umfassende Literaturrecherche nationaler und internationaler Studien und die Teilnahme an diversen in- und ausländischen Konferenzen wurden durch eine Befragung unter ExpertInnen (Delphi-Befragung) ergänzt. Neben der Darstellung der Problemlagen lag der Fokus auf der Aufbereitung von Best Practice Beispielen aus Österreich, Italien, Finnland und Großbritannien. Die Ergebnisse dieser umfassenden Untersuchung flossen in die Broschüre „Armut macht krank“ ein.
 

Armut ist eine Tatsache

Im Jahr 2008 (Zahlen: EU SILC 2010) waren 12% der österreichischen Bevölkerung armutsgefährdet, etwa 492.000 Menschen waren von manifester Armut betroffen. Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Welt ist, nimmt die Anzahl der von Armut betroffenen und bedrohten Menschen zu.

Einkommensschwache Personen sind gesundheitlich stärker belastet

Nationale und internationale Untersuchungen lassen erkennen, dass einkommensschwache Personen stärker und öfter von gesundheitlichen Belastungen betroffen sind und diese zudem mehrfach auftreten. Geschäftsführer Erich Fenninger weist darauf hin, „dass dieser Zusammenhang sich über nahezu alle für die Gesundheit wesentlichen Bereiche erstreckt, wie zum Beispiel chronische Krankheiten, psychische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, Lebenserwartung und  Pflegebedarf. Das ist ein Alarmsignal.“ Die Best-Practice Beispiele in der Broschüre zeigen jedoch, dass durch gezielte Maßnahmen Verbesserungen möglich sind. Aber gesundheitliche Ungleichheiten können nicht allein vom Gesundheitssystem ausgeglichen werden. Nachhaltige Verbesserung erfordert ein Miteinander aller Ressorts – eine sogenannte „Health-in-All-Policies Strategie“.
 
Gesundheitsminister Alois Stöger nennt aktuelle gesundheitspolitische Maßnahmen zur Reduktion der Armutsgefährdung in Österreich: „Die E-Card für Alle sichert nun 20.000 Sozialhilfeempfänger und deren Familien ab. Mit der Unfallversicherung für Menschen mit Behinderung in Beschäftigungstherapie wurden weitere 20.000 vor existenzbedrohenden Risiken abgesichert.“
 

Einkommensschwache Personen haben eine geringere Lebenserwartung

Die gesundheitlichen Ungleichheiten aufgrund von sozialer Benachteiligung reichen bis zur Lebenserwartung. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem sozialen Status (gemessen an der höchsten abgeschlossenen Schulbildung). Der Unterschied der Lebenserwartung im Alter von 35 Jahren betrug bei Männern mit der höchsten gegenüber Männern mit der niedrigsten Bildungsstufe im Jahr 2001/2002 knapp über sechs Jahre. Bei Frauen betrug die Differenz beinahe drei Jahre. Der Vorsprung in der Lebenserwartung von 35-jährigen Frauen mit Hochschulabschluss gegenüber jener von gleichaltrigen Männern mit Pflichtschulabschluss erreichte sogar neun Jahre.
 

Die Ursachen sind vielfältig, treten jedoch meist in Kombination auf und verstärken sich gegenseitig

Zu den wesentlichsten Einflussfaktoren zählen Bildung, Einkommen, Arbeit und Arbeitsbelastungen, Belastung durch Stress, soziale Ausgrenzung oder Unterstützung, Ereignisse in früher Kindheit, Wohnverhältnisse und der Zugang zu medizinischer Versorgung. Auch das persönliche Gesundheitsverhalten spielt eine wesentliche Rolle, wobei betont werden muss, dass Verhaltensweisen häufig nicht auf freien Entscheidungen basieren sondern maßgeblich durch die Lebensumstände geprägt werden.  Mehrfach belastete Personen sowie Menschen unter besonderen Lebensumständen wie Wohnungslose, Langzeitarbeitslose oder Personen mit Migrationshintergrund sind am stärksten von Ungleichheiten betroffen.
 
Eine der Experten, die an der Studie teilnahmen, der bekannte Internist Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn bezog sich „auf meine Erfahrungen als Arzt und Gründer der Initiative „Nein zu Arm und Krank“. Es gibt in unserem reichen Land eine Vielzahl von Menschen, die nach Arbeitsunfällen, Krankheiten oder Depressionen ein schweres Schicksal haben. Ihnen muss unsere Solidarität gehören. Besonders für betroffene Kinder sollten wir uns doppelt anstrengen. Menschen ,die arm und krank sind, haben keine eigene Lobby.  Deshalb müssen wir Ihnen eine Stimme geben und uns für sie stark machen. Auch, indem wir die Politik immer wieder unter Druck setzen.“
 
Umfassende Armutsbekämpfung und Maßnahmen zur Vermeidung von Armut sind notwendig, um durch Armut bedingte gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern. Dabei darf es nicht nur darum gehen, Menschen materiell abzusichern und so vor dem totalen Absturz zu schützen. Vielmehr ist es notwendig, die Ursachen, die zu Armut führen, zu bekämpfen: Bildungsdefizite, Arbeitslosigkeit, regionale, kulturelle oder ethnische Benachteiligung, sowie Benachteiligungen die sich aus Alter oder Geschlecht ergeben.
 
Die Leiterin der Sozialarbeit im AKH Linz Dr.in DGKS Anna M. Dieplinger berichtete „von ständig steigenden Fallzahlen, derzeit sind es 5 000 pro Jahr. Wir versuchen durch ein sehr niederschwelliges Angebot im Krankenhaus den Menschen die Scham zu nehmen und sie umfassend zu betreuen. Denn es ist leider immer noch so, schwere Krankheiten machen auch arm.“
 
Die Volkshilfe Österreich leistet mit dieser Broschüre einen Beitrag zum Kampf gegen Armut und für den Abbau von gesundheitlichen Ungleichheiten. Dazu gehören die Information über die derzeitige Situation von betroffenen Personen in Österreich und die Formulierung von Handlungsempfehlungen. Ziel ist neben der Information einer breiten Öffentlichkeit auch, eine entsprechende Sensibilisierung bei EntscheidungsträgerInnen und beteiligten Berufsgruppen zu erwirken.
 
Das Projekt „Armut macht krank“ wurde aus Mitteln des Fonds Gesundes Österreich gefördert.