Volkshilfe Steiermark
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Therapiehündin Kerry zu Besuch im Volkshilfe Seniorenzentrum Wetzelsdorf

08.04.2010

Therapeut Bernd erzählt von einem "besonderen Tag", den er gemeinsam mit seiner Therapiehündin Kerry und den BewohnerInnen des Seniorenzentrums verbracht hat.

Wir, Retriever Hündin Kerry und ich fahren mit dem Lift in den dritten Stock des Seniorenwohn- und Pflegezentrums Wetzelsdorf. Es sollte ein Einsatz werden, wie wir ihn schon oft in diesem Hause hatten, verbunden mit der Hoffnung diesen Menschen Freude zu bereiten.

Im Aufenthaltsraum befinden sich bereits 3 SeniorInnen, die wir begrüßen. "Ja - die Kerry ist wieder da", kommt es aus dem Mund einer 94-jährigen Bewohnerin, die wie sie mir schon öfters erzählte einstmals auch Hundebesitzerin war. Die Streicheleinheiten für Kerry sind entsprechend umfangreich und wir vertiefen unser Gespräch.

Freunde finden

Wir wenden uns danach einem körperlich schwer behinderten Mann zu, der im Rollstuhl sitzt. Ich versuche einen engen Kontakt herzustellen und spüre, dass dies auch von meinem Gegenüber angenommen wird. Ein guter, vielleicht wird es ein besonderer Tag sende ich meine Gedanken zu Kerry, mit der positiven Rückmeldung über die treuen Hundeaugen. Er verstünde jedes Wort, aber mit dem Sprechen ist es heute sehr schwierig versichert mir eine danebenstehende Pflegerin. Er kann seine verkrampften Hände kaum öffnen aber es gelingt ein Leckerli zwischen Daumen und Zeigefinger zu positionieren um Kerry zu füttern. Wir wiederholen dieses Ritual und nach dem dritten mal öffnet der Bewohner seine rechte Hand und streichelt, mit einem nicht enden wollenden Lächeln über den Kopf der Hündin. Er nimmt jedes Wort, so habe ich den Eindruck mit großem Interesse auf, während Kerry entspannt neben dem Rollstuhl liegt. Wir haben einen Freund gefunden! Ein ganz besonderer Tag!

Skepsis wird zu Interesse

Wesentlich mehr Personen begrüßen wir im zweiten Stock. Wir nehmen viele Emotionen des kurz vorher Erlebten mit in diesen Raum und die Motivation ist sehr groß. Kurze Gespräche mit den uns bekannten SeniorInnen und einige Spieleinheiten erfolgen, meine Blick schwenkt auf eine alleine sitzende Seniorin, der ich mich zuwende. Ich setze mich auf das Sofa neben ihr. Ich streichle keine Hunde sagt sie, ich habe in meinem Leben noch nie einen Hund berührt! Aufmerksam verfolgt ein Pfleger das Geschehen und sein skeptischer Blick sagen einiges aus.

Das Interesse steigt. Ich vertiefe mein Gespräch mit der Bewohnerin und bemerke den immerwährenden Blick zur vor ihr sitzenden Hündin Kerry. "Die hat aber so schöne Augen und ist sicher brav?" "Ja - sie ist gut erzogen." "Wie alt ist sie?" "Sie war im Juni 8 Jahre." "Ist sie ein Mäderl oder ein Bub?" "Sie ist ein Mäderl und ein Golden Retriever."  "Interessant", meinte die Bewohnerin und ich merke ihre innere gedankliche Anspannung, vielleicht greife ich diesen Hund doch an? "Wenn sie von hier weggehen, wo bleibt dann ihr Hund", fragt die Bewohnerin ganz besorgt. "Er bleibt immer bei mir", antworte ich. Jetzt schien für mich der Zeitpunkt gekommen um zu fragen: "Möchten sie Kerry ein Leckerli geben?" Die Begeisterung bei der Bewohnerin war groß, sie nimmt das Leckerli zart und nach einigen Wiederholungen wurden daraus sehr lange Streicheleinheiten für Kerry. Der eingangs skeptische Blick des Pflegers, wich einem zufriedenen aber auch überraschten Lächeln.

Sonnenschein

Die Zeit ist bereits fortgeschritten - die Bewohnerin nimmt meine rechte Hand und gibt mir einen Handkuss mit den Worten: "Ich küsse ihre Hand, sie und Kerry sind heute mein Sonnenschein!" Im ersten Moment irritiert wollte ich eigentlich meine Hand zurückziehen, aber die davon ausgehende Kraft meines Gegenüber war zu groß.

"Besuchen Sie mich bitte wieder und nehmen Sie Kerry mit, ich freue mich schon darauf." Dieser Bitte werden wir beide mit Freude gerne nachkommen, denn das war ein ganz besonderer Tag!