Volkshilfe Steiermark
News

"Armut ist und bleibt ein Skandal!"

23.03.2010

Zwischen dem Verlust der Arbeit und dem Abgleiten in die soziale und wirtschaftliche Isolation besteht zumeist ein direkter Zusammenhang. anzetteln.at lud deshalb zur Diskussion "Armut und Sozialhilfe"

Univ. Prof. Dr. Josef Weidenholzer (Präsident der Volkshilfe Österreich), Mag. Gabriele Oberhumer (Projektleiterin des Vereines „ERfA-Erfahrung für alle“) und Mag. Christoph Lösch (Geschäftsführer der SchuldnerInnenberatung Steiermark GmbH) brachten nicht nur mit konkreten Beispielen von Betroffenen ein in Österreich noch immer akutes Problem zur Sprache: Armut. Eine Million Menschen ist in Österreich armutsgefährdet, 492.000 Menschen leben in akuter Armut, 270.000 Kinder und Jugendliche sind in Österreich armutsgefährdet. "Das ist eine gesellschaftspolitische Zeitbombe! Armut ist und bleibt ein Skandal", bringt es Weidenholzer deutlich auf den Punkt. Für die Volkshilfe ist die Mindestsicherung ein lang ersehnter Schritt in die richtige Richtung. Kritiker, die behaupten sie wäre ein falscher Anreiz und würde zum Nichtstun verleiten, hält Weidenholzer entgegen: "Dann müssen wir uns die Frage stellen, ob nicht die Löhne zu niedrig sind."

Am Rand: Generation Praktikum 

Gabriele Oberhumer, die den Verein ERfA als Schnittstelle zwischen von Sozialpolitik, Arbeitsmarkt und der Lebenswelt der Betroffenen sieht, betont: "Arbeitslosigkeit ist kein Randphänomen, aber es drängt an den Rand!" Das bestätigt auch Christoph Lösch. Er kennt viele Fälle, wo auch gut ausgebildete Menschen plötzlich den Job verlieren und keinen neuen mehr finden. "Ich höre oft 'die Krise ist angekommen'. Das marken wir aber schon lange. Bei der Generation Praktikum müssen wir aufpassen, dass diese aus der Armutsgefährdung herauskommen bzw. gar nicht dahin abdriften", so Lösch.

Beitrat zur Armutsbekämpfung

„Armut darf uns nicht gleichgültig sein. Armut macht krank, schließt die Menschen aus der Gesellschaft aus und zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ so Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe Österreich. Die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung muss vorrangiges Ziel der Politik sein – und es muss alle Politikbereiche betreffen. „Die Zahl jener Menschen, die im kommenden Jahr ihren Arbeitsplatz verlieren werden, wird neuerlich steigen. Und damit auch die Zahl jener Frauen, Männer und Familien, die in die Armut schlittern“, befürchtet Weidenholzer. Weidenholzer fordert die Bündelung aller Kräfte und die Einrichtung eines steirischen Beirates zur Armutsbekämpfung.

Links

ERfA - Erfahrung für Alle

Schuldnerberatung

www.anzetteln.at

Download

Positionspapier der Volkshilfe zum Thema Armut in Österreich